Lokalnachrichten aus München-Laim und Umgebung
Ross und Reiter
Interessiert beobachte ich, dass Thilo Sarrazin Erfolg hat. Und damit meine ich nicht den Verkaufserfolg seines Buches, dass nach den wenigen Tagen seit seiner Erscheinung in die fünfte Auflage gegangen ist. Sarrazin hat den Finger in eine Wunde gelegt und damit eine längst überfällige Diskussion um ein brennendes Thema entfacht, welches den politischen Akteuren aller Parteien bisher ziemlich egal war und jetzt Mittelpunkt unzähliger Nachrichtensendungen, Reportagen und Talkshows ist.Das der Bundesbanker mit seinen Thesen nicht immer den korrekten Ton trifft und es wohl mit dem einen oder anderen Fakt auch nicht ganz so genau nimmt, ist die eine Sache. Kluge Köpfe in diesem Land widerlegen oder bestätigen Sarrazins Ansichten gerade mit aktuellen Daten. Wirklicher Schaden für die Demokratie entsteht jedoch dadurch, dass ein Mann aus seinem Amt enfernt werden soll, der von seinem Recht der freien Meinungsäußerung Gebrauch gemacht hat. Und die muss in einem demokratischen Rechtsstaat erlaubt sein - auch wenn sie unangebracht oder schmerzhaft ist.
Die Fakten: Seit Anfang der sechziger Jahre wurden "Gastarbeiter" herangekarrt, um das Wirtschaftswunder am Laufen zu halten. Diese Menschen kamen nicht von den Hochschulen in Istanbul, Athen oder Neapel sondern aus Armenvierteln Süditaliens oder mittelalterlich geprägten Regionen Anatoliens. Keine Green-Card Auswahlkriterien nach amerikanischen Vorbild, sondern das Anlocken von Unterschicht und Landbevölkerung für minderwertige Tätigkeiten in der deutschen Wirtschaft.
Bis weit in die neunziger Jahre hinein verweigerte sich Deutschland seinem Status als Einwandererland und verhielt sich auch dementsprechend - Integration beschränkte sich auf das Funktionieren am Arbeitsplatz und darum hatte sich die Wirtschaft zu kümmern. Themen wie Bildung werden ohnehin Ländern und Kommunen überlassen. Dadurch wurde das Entstehen vor allem von muslimisch geprägten Paralleluniversen geradezu begünstigt und die lehnen die westlich geprägte Kultur und Lebensweise ab - weil die die ihre ablehnt, ein Fakt, der sich seit dem 11. September 2001 noch dramatisch gesteigert hat.
Über Jahrzehnte hat die Politik versäumt, auf die Zuwanderung einzugehen, je sie zur Kenntnis zu nehmen. Nun stehen wir alle und das seit Jahren vor einem Scherbenhaufen, und den hat Thilo Sarrazin benannt. Nicht mehr und nicht weniger. Aber anstatt die einmal entfachte Debatte nun endlich für wirksame Maßnahmen gegen den zweifellos bestehenden Integrationsunwillen einiger Migranten insbesondere aus dem arabisch/muslimischen Umfeld zu nutzen, wird weiter wie bisher beschönigt und das Thema soll so schnell wie möglich zu den Akten gelegt werden. Und damit einhergehend soll Thilo Sarrazin aus seinem Amt gejagt werden - wohin die Politik den ehemaligen Finanzsenator übrigens gestellt hat.
Eine Demokratie braucht Provokateure und Querdenker. Und eine gelebte Demokratie kann damit umgehen - die allfällige "Political Correctness" jedenfalls sorgt für bleischwere Stagnation in diesem Land.
(ms)
Foto: Wikimedia Commons
Eingetragen am 05.09.2010
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