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Lokalnachrichten aus München-Laim und Umgebung

Lasst uns offen reden

Lasst uns offen reden"Lasst uns offen reden! Warum die Demokratie furchtlose Debatten braucht" ist ein eindringliches Plädoyer für mehr konstruktiven Streit und eine Debatte mit der Vielfalt in unserem Land.

„Die Politisierung, die Unerbittlichkeit hat sich in den vergangenen Monaten noch einmal zugespitzt – in der Debatte und in den Protesten nach dem Massaker der Hamas in Israel vom 7. Oktober 2023 und den folgenden Militäreinsatz Israels in Gaza findet kaum mehr Verständigung statt.“ schreibt Constantin Schreiber in seinem neuen Buch.

Die Demokratie lebt da, da sie nichts Fertiges sein kann, sondern eine Chance ist, von der Diskussion. Da ist es sehr unerfreulich, dass die Diskussionen in einer Sackgasse enden. Der ganze Streit trägt die Züge eines Kulturkampfes. Es geht um die Herrschaft über die Diskurse, also darum, wer wen zwingen kann, politische Aussagen moralisch zu legitimieren. Die vielen Zeitgenossen, die in einer politischen Blase leben, sind oft Nachrichten überfüttert, aber unterinformiert, weil oft vor der Aufnahme von News eine Blende steht, die alles hereinlässt, aber nur in der Färbung, die die Blende zulässt. Die schnörkellose, klare Sprache fasziniert mich.

Schreiber besitzt die Gabe, schwierige Sachverhalte verständlich zu erklären. Ich habe diese Geschichte in einem Zug gelesen und konnte es nicht mehr aus der Hand legen. Er versucht, zwischen Tatsachenbehauptung und Meinung eine Grenze zu ziehen. Für ihn gilt noch das journalistische Ideal "comment is free but facts are sacred". Er ist ein Liberaler im besten Sinne des Wortes.

"Weil man sich über bestimmte Themen trefflich streiten kann, kochen die Emotionen bisweilen hoch... eine Behauptung, die jemanden nicht behagt, wird also nicht mit sachlicher Gegenrede, mit Argumenten gekontert, sondern mit Delegitimierung der Äußerung oder des Absenders."

"Die Liste der Personen, die vom öffentlichen Diskurs ausgeschlossen werden sollen, obwohl sie sich im rechtlichen Rahmen bewegen". Dies stört Constantin Schreiber Zu den umstrittenen Personen gehört, sogar Alice Schwarzer, die Pionierin des Feminismus, die Transsexualität als Modeerscheinung bezeichnete oder Peter Hahn, weil er den Sieg der Gendersterne verhindern möchte. Er sucht nach Lösungen. Aber alles hat Grenzen. An einigen Universitäten in Deutschland fühlten sich durch die antisemitischen Vorfälle die jüdischen Studenten nicht mehr sicher. "Vielmehr haben die Institutionen die Verpflichtung, einen sicheren Rahmen für alle Meinungen und Ansichten zu garantieren, einen Raum, in dem sich niemand unsicher fühlen muss. Und diese Verpflichtung scheint nicht gerade nicht in jedem Fall erfüllt zu sein. Der klare und unverstellte Blick auf die Dinge, die er uns nahebringt, hat viel für sich. Auch nimmt er Signale auf die an anderen vorüberrauschen. Am Schluss des Buches heißt es "Demokratie und wahre Vielfalt verteidigen wir erst dann so richtig, wenn wir über unseren Schatten springen und den Andersdenkenden einen Platz in unserem Land zugestehen".

Bei uns leben zu viele in der eigenen Blase. Viel interessanter als ein Haufen Gleichgesinnter, die den Ton angeben, ist doch eine Gemeinschaft von Ungleichgesinnten, die sich gegenseitig achten. Jugendlichen in den höheren Klassen wäre das Buch des sensiblen, mitfühlenden Autors sehr zu empfehlen. 1993 schrieb mir Heide Schmidt vom liberalen Forum (Östreich), Verfasserin des Buches "die offene Gesellschaft": "Sehr wichtig ist der Gedankenaustausch und die ständige Überprüfung eigener wie fremder Standpunkte". Dem ist nichts hinzuzufügen.
Dem in kristallener Klarheit geschriebenen Buch viel Erfolg.

Eckhard Krause

Constantin Schreiber, "Lasst uns offen reden!"
Hoffmann und Campe Verlag GmbH
128 Seiten
16 EUR
Erscheinungstermin: September 2024
ISBN: 978-3-442-76287-3
Eckhard KrauseEckhard Krause ist Laimer Diplom-Bibliothekar im Ruhestand und Laimer Bücherwurm. Geboren in Sachsen und aufgewachsen in Ostfriesland, kam er in Zeiten des kalten Krieges nach Westdeutschland und lebt nunmehr seit fast 50 Jahren in Laim. Aufmerksam beobachtet er Entwicklungen und Strömungen in Gesellschaft und Literatur.



Eingetragen am 11.12.2024


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