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In der Nähe - Vom politischen Wert einer ostdeutschen Sehnsucht von Simon Strauß
Eine Suche nach Gemeinschaft in Zeiten der PolarisierungIn seinem neuen Werk „In der Nähe – Vom politischen Wert einer ostdeutschen Sehnsucht“ widmet sich Simon Strauß einer der drängendsten Fragen unserer Zeit: Wo ist echte Gemeinschaft noch möglich, wenn öffentliche Debatten zunehmend von medialer Selbstgerechtigkeit und ideologischen Gräben geprägt sind? Seine Antwort ist so schlicht wie bestechend: im Mikrokosmos.
Der Mikrokosmos als Korrektiv
Strauß lenkt den Blick weg von den abstrakten Diskursen der Metropolen und hin zur Kleinstadt – konkret nach Prenzlau. Hier, im Überschaubaren, lassen sich Sachverhalte noch unmittelbar überprüfen und menschliche Begegnungen abseits von digitalen „Blasen“ führen. Strauß tritt dabei nicht als belehrender Analytiker auf, sondern als unparteiischer Beobachter. Mit einer wohltuenden Ehrlichkeit und erzählerischen Leichtigkeit lässt er eine Vielzahl scharf profilierter Persönlichkeiten zu Wort kommen.
Erzählen statt Belehren
Das Buch besticht durch seine dokumentarische Kraft. Die Menschen in Prenzlau schildern ihre Sorgen und Hoffnungen unverblümt; sie werden von Strauß gehört, ohne sofort in politische Schubladen sortiert zu werden. Damit setzt der Autor ein Zeichen gegen die grassierende Herablassung gegenüber Andersdenkenden. Das Werk vermittelt die tiefe Einsicht, dass persönliches Glück untrennbar mit Nähe, Vertrauen und offenem Austausch verbunden ist. Wer sich isoliert, verliert die Bodenhaftung – wer das Gespräch sucht, findet Halt.
Die Narben der Geschichte
Ein zentraler Aspekt der Erzählung ist die historische Tiefenschärfe. Strauß beleuchtet die traumatischen Spuren, die das Ende des Zweiten Weltkriegs in Prenzlau hinterlassen hat – von der physischen Zerstörung bis hin zu den grausamen Gewalterfahrungen durch die sowjetischen Truppen. Dass dieses Gedenken an das Leid und der Gedanke der Sühne im ostdeutschen Bewusstsein oft erst jetzt den nötigen Raum finden, arbeitet Strauß empathisch heraus.
Ein Buch der Hoffnung
Wie der Germanist Dirk Oschmann treffend bemerkt, ist Simon Strauß mit diesem persönlichen Buch eine „exemplarische Erzählung über die gesamtdeutschen Lebensverhältnisse“ gelungen. Es ist ein Plädoyer für:
- Empathie und Respekt im Umgang miteinander.
- Zurückhaltung im Urteil, um Brücken über gesellschaftliche Abgründe zu bauen.
- Hoffnung als fundamentale Tugend in unsicheren Zeiten.
In der Nähe Vom politischen Wert einer ostdeutschen Sehnsucht
Verlag Klett-Cotta
232 Seiten
ISBN 978-3-608-12376-0
25,50 € (Gebundene Ausgabe)
Eckhard Krause ist Laimer Diplom-Bibliothekar im Ruhestand und Laimer Bücherwurm. Geboren in Sachsen und aufgewachsen in Ostfriesland, kam er in Zeiten des kalten Krieges nach Westdeutschland und lebt nunmehr seit fast 50 Jahren in Laim. Aufmerksam beobachtet er Entwicklungen und Strömungen in Gesellschaft und Literatur.Eingetragen am 01.04.2026
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