Lokalnachrichten aus München-Laim und Umgebung
Jahrestag des Anschlags auf das Oktoberfest
An vielen dieser Gedenkveranstaltungen hab ich seither teilgenommen, auch schon, als man gleich hinterher meinte, den oder die Täter in der linken Szene verorten zu können. Nachdem die Ermittlungen eingestelllt worden waren, hatte ein Rechtsanwalt zusammen mit dem BR-Journalisten
Ulrich Chaussy die Unterlagen durchforscht. Dabei sind sie auf Ungereimtheiten und erhebliche Widersprüche gestoßen, die ihnen keine Ruhe mehr ließen. Im Film "Der blinde Fleck" ist das beeindruckend dargestellt.
Von Beginn an erinnert seitdem die Jugend des DGB an dieses schreckliche Ereignis, unterstützt vom Kulturreferat Münchens. An Stelle von OB Dominik Krause, der bei der Entscheidung für Olympia gebunden war, hatte die zweite Bürgermeisterin Mona Fuchs gesprochen. Sie erklärte, daß dieser Tag für die Stadt Verpflichtung sei, den Betroffenen zur Seite zu stehen.
Beim diesjährigen Gedenken waren neben den Angehörigen der Opfer erstmals die Erlebnisse der Menschen im Mittelpunkt, die spontan zu Ersthelfern geworden waren, schlichtweg deshalb, weil sie sich zu der Zeit am Unglücksort befunden hatten.
Ramin Assisi war einer von ihnen. Er hatte die Kraft und Stärke, seine Erlebnisse von damals am Mikrophon zu schildern. Ich habe sie aus der Erinnerung aufgeschrieben:
"Auf dem Weg nach Hause knallte es plötzlich fürchterlich. Gleichzeitig war, wie in der Silvesternacht, der Geruch von Sprengstoff in der Luft. Die Ecke eines Kiosks hatte die Druckwelle der Explosion für ihn etwas abgeschwächt. Vor ihm auf dem Boden lag ein Mann, dem ein Bein fehlte. Es war ihm bei Detonation abgerissen worden. Aus dem Rest spritze sein Blut in hohem Bogen. Der Versuch, es abzubinden, hatte zunächst kaum Wirkung. Erst als er mit aller Kraft den rutschigen Gürtel zuzog, verminderte sich der Blutstrom.
Gleich in der Nähe lag ein Mann mit einer schweren Kopfverletzung. Das Gesicht sei völlig entstellt gewesen. Seine Frau kniete bei ihm und versuchte, zu helfen. Ihren Schrei, als sie erkannte, dass es mit ihm zu Ende gehen würde, hat er noch heute im Ohr.
Als irgendwann genügend Hilfe und Einsatzkräfte vor Ort waren, machte er sich auf den Heimweg. Durch das Vorangegangene war er voller Blut. Unterwegs hörte er Bemerkungen der Art, auf welcher Horrorparty er denn wohl gewesen sei.
In der Folgezeit habe er durchgehend gearbeitet, jahrelang nur funktioniert, sei auch nicht krank gewesen.
Erst mit der Berichterstattung über die Wiederaufnahme der Ermittlungen und der Anblick der dazu veröffentlichen Fotos hätte ihn das Erlebte eingeholt. Er erkrankte an einer posttraumatischen Belastungsstörung, war nach einen Zusammenbruch arbeitsunfähig und kam in eine Klinik. Seine Erkenntnis: Wie körperliche Verletzungen brauchen auch seelische Wunden eine gute Behandlung, sonst heilen sie nicht!
Er erinnerte auch an an die Toten und ihre Familien. Es sei kein unabwendbares Ereignis gewesen, das sie betroffen hätte, denn Ursache sei ein Täter mit rechtsextremen Gesinnung gewesen.
Anschließend verlas die Sprecherin der DGB-Jugend die Namen der Opfer. Wegen des internationalen Publikums waren der Anlass des Gedenkens und die Namen der Opfer auch in englischer und italienischer Sprache bekanntgegeben worden, wie sie auch auf der Stele, die von einer Stahlwand mit Splitterlöchern umrahmt ist, genannt sind.
Im Anschluss legten die Anwesenden dort rote Nelken nieder. Dabei war auch Münchens Polizeipräsident und der Leiter der Wiesn-Wache.
Gleich im Anschluss strömten die auf Einlass Wartenden am Ort des Gedenkens vorbei. Ein Platz im Festzelt war an diesem Tag für viele das Wichtigste.
Werner Brandl
Eingetragen am 01.10.2026
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