Lokalnachrichten aus München-Laim und Umgebung
KI-Höllenritt in Laim: Zwischen Geniestreich und Weltherrschaft
„Das war ein Höllenritt durch das Thema KI, ich muss mich erst mal sammeln!“ – Mit diesem Satz brachte eine sichtlich beeindruckte Besucherin das Gefühl des Abends auf den Punkt. Am 26. Februar 2026 war es nämlich wieder so weit: Der 115. Unternehmerstammtisch lud in die Hütt'n beim „Da Wirtshauser“ in Laim. Das Thema hätte aktueller nicht sein können: „KI – neuester Stand“.Als Referent trat ein echtes Urgestein der Digitalszene vors Publikum: Michael Schmidt von der Münchner Internetagentur TAGWORX.NET. Als „Baujahr 1964“, der bereits seit 1994 die Onlinewelt unsicher macht, brachte er genau die richtige Mischung aus Expertenwissen, technischer Begeisterung und abgeklärter Gelassenheit mit, um das zahlreich erschienene Publikum durch das Dickicht der künstlichen Intelligenz zu führen. Und die fast zweistündige Reise ließ keinen Stein auf dem anderen – und manche festgefügte Meinung über „künstliche Intelligenz“ wurde ins Wanken gebracht.
Von der Turing-Maschine bis zum digitalen Kollegen – woher kommt der Hype?
Michael Schmidt begann seine Reise nicht etwa beim neuesten iPhone, sondern schlug den Bogen weit zurück. Der Vortrag startete historisch bei Alan Turing, Joseph Weizenbaum und Ted Shortliffe und landete dann doch schneller in der Gegenwart, als man „ChatGPT“ sagen kann. Michael Schmidt machte klar: KI ist längst kein Science-Fiction mehr, sondern steckt in der Google-Suche, der Buchhaltung, im Fahrzeugbau und sogar in der Krebserkennung – ganz abgesehen von all den Plattformen, die uns das Leben inzwischen leichter machen.
Zudem ließ Schmidt zahlreiche große Denker und Protagonisten der neuen Technologie zu Wort kommen, etwa Stephen Hawking, Bill Gates, Elon Musk, Sam Altman oder Max Tegmark.
Doch was ist eigentlich KI, den Begriff den viele so leichtfertig aussprechen? Vereinfacht gesagt: Ein Teilgebiet der Informatik, das versucht, menschliche kognitive Fähigkeiten wie Lernen und Problemlösung zu simulieren. Für Unternehmer besonders spannend ist die Generative KI, die Texte, Bilder, Videos und sogar Code auf Knopfdruck erstellt – und ganz nebenbei riesige Datenmengen verarbeiten kann. Aber auch in konkreten Anwendungen finden wir KI wieder, etwa bei der Terminannahme via Website in Arztpraxen oder bei der Kundendienstplanung in Handwerksbetrieben, eben immer dann, wenn effizient und nahezu lautlos automatisiert werden soll.
Seit dem ChatGPT-Urknall vor wenigen Jahren konnten Computer nicht mehr nur Daten sortieren, sondern selbst kreativ werden: Texte schreiben, Bilder malen, Musik komponieren und sogar Programmcode entwickeln. Und ob wir nun Google Maps nach dem Weg fragen, Netflix uns den nächsten Serienmarathon vorschlägt oder die Bank eine verdächtige Kreditkartenzahlung blockiert – KI ist längst allgegenwärtig.
Die Großen: ChatGPT, Claude, Gemini, Copilot und die „Agenten-Armee“
Schmidt ließ es sich nicht nehmen, tief in den Werkzeugkasten zu greifen. Er stellte die „Platzhirsche“ im Segment der generativen KI vor:
- ChatGPT (OpenAI): Der unangefochtene Marktführer, der besonders durch seine Vielseitigkeit besticht.
- Claude (Anthropic): Gelobt für seine Fähigkeit, riesige Dokumente zu analysieren, ohne den Faden zu verlieren.
- Gemini (Google): Das Kraftpaket, das direkt mit unseren täglichen Google-Tools (Docs, Mail, Suche) verknüpft ist.
- Copilot (Microsoft): Der Helfer, der sich direkt in Word und Excel einnistet.
Die hohe Kunst des Promptings: Wer flüstert, der gewinnt
Ein großes Highlight war das Thema Prompting. Wer der KI nur sagt „Schreib mal was über Gartenzwerge“, bekommt Langeweile geliefert. Michael zeigte den „Godmode“: Wer der KI eine klare Rolle zuweist (z. B. „Agiere als erfahrener Werbetexter“), Zielgruppen definiert und semantische Strukturen vorgibt, bekommt beeindruckende Ergebnisse, die man fast ungesehen veröffentlichen kann.
- Rollenverteilung: Sagen Sie der KI, wer sie ist („Du bist ein erfahrener Steuerberater für KMU“).
- Kontext: Geben Sie Hintergrundinfos („Wir planen eine Marketingaktion für Bio-Brot in Laim“).
- Struktur: Definieren Sie das Format („Erstelle eine Tabelle mit 5 Spalten“).
Iterative Verfeinerung: Geben Sie sich nicht mit der ersten Antwort zufrieden – haken Sie nach!
Und noch eine Faustregel: Kurze, klare Sätze und keine Rechtschreibfehler in der Anfrage – sonst leidet die Qualität der Antwort.
Schattenseiten und Schreckensszenarien: Wenn die KI „halluziniert“ und Agenten meutern
Die KI ist ein statistisches Plappermaul, kein Wissenslexikon. Trotz aller Begeisterung sparte Michael Schmidt daher die Risiken nicht aus. Das Publikum horchte besonders auf, als es um KI-Halluzinationen (Confabulations) ging. Das Problem: KI-Modelle sind statistische Wort-Vorhersage-Maschinen. Wenn sie eine Information nicht haben, erfinden sie oft eine – und zwar so selbstbewusst, dass man es kaum merkt. Da werden plötzlich Gerichtsurteile zitiert, die es nie gab, oder chemische Formeln erfunden, die eher in einen Alchemie-Baukasten gehören. Und manchmal will uns der KI-Bot einfach glücklich machen, wie der Ehepartner, der des Abends schon mit dem Essen wartet – aber gar nicht kochen kann…
Richtig „spooky“ wurde es bei den „Worst Case Scenarios“ aus den Sicherheitslaboren – einige Vorfälle sind erst wenige Tage alt.
- Gibberlink: Ein Phänomen, bei dem zwei KIs begannen, in einer Art hocheffizientem Kauderwelsch zu kommunizieren, das für Menschen völlig unlesbar war.
- OpenClaw & der Meta-Crash: Ein Szenario, in dem eine KI im Sicherheitslabor so autonom agierte, dass sie das System fast lahmlegte, um ihre Aufgabe zu erfüllen.
Werkzeugkasten für den Mittelstand
Trotz aller Risiken überwog der Optimismus. Michael Schmidt präsentierte eine wahre Flut an Tools:
- Text & Office: ChatGPT (der Platzhirsch), Claude (super für Dateien), Gemini (Google-Integration) und Copilot (Microsoft-Welt).
- Bilder & Video: Von Midjourney für fotorealistische Bilder bis zu Sora oder VEO für Videos. Eindrucksvolle Beispiele zeigten, was heute möglich ist und warum Hollywood nervös mit den Füßen scharrt.
- Meetings: Tools wie Otter.ai oder tl;dv, die Protokolle fast von alleine schreiben.
Besonders wichtig für lokale Unternehmen: Die KI-Suche. Wenn Kunden heute fragen: „Wo finde ich den besten Schreiner in Laim?“, ziehen KIs ihre Informationen aus strukturierten Daten im Netz. Wer hier sein Google-Profil und seine Website nicht pflegt, wird für die KI unsichtbar. Schmidt’s Rat an alle KMU: Nutzen Sie lokale Daten! KI kann zwar kein Parkett verlegen, aber wer sein Google Unternehmensprofil pflegt und strukturierte Daten nutzt, wird von der KI als Experte vor Ort empfohlen.
Keine Angst vor den digitalen Kollegen
Der Abend im „Da Wirtshauser“ endete dann mit lebhaften Diskussionen. Die Erkenntnis: Wir müssen keine Informatiker werden, um von KI zu profitieren. Wir müssen aber lernen, sie als Werkzeug zu begreifen. KI wird uns nicht ersetzen – aber der Mensch, der KI bedienen kann, wird denjenigen ersetzen, der es nicht kann.
Die Folien zum Nachlesen finden sich auf der Homepage des Unternehmerstammtisches. Es lohnt sich, insbesondere die Beispiele zum Prompting noch einmal in Ruhe zu studieren! Ebenfalls ans Herz zu legen sind die verschiedenen Tool- und Plattformempfehlungen.
Übrigens: Der 116. Unternehmerstammtisch findet am 26. März statt. Markiert euch das Datum fett im Kalender! Die Einladungen mit allen Details landen wie gewohnt rechtzeitig in eurem Postfach.
In diesem Sinne: Bleiben Sie neugierig (und behalten Sie den Stecker in Reichweite)!
Foto: Gerhard Frimberger
Eingetragen am 27.02.2026
Quelle: Unternehmerstammtisch Laim
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